Valkenburg – Größte Banknotenmesse der Welt

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Valkenburg – Größte Banknotenmesse der Welt

Die Messe im niederländischen Valkenburg gilt als das Mekka der Banknotensammler. 2 mal im Jahr bieten in mehreren Messehallen, Stand an Stand dicht aneinander gereiht, hunderte internationale Händler Tonnen von Papiergeld zum Verkauf an. Von günstigen Inflationsnoten und aktuellen Weltbanknoten bis zu tausenden Euro schweren Raritäten. Wie es zu alledem kam, erzählt uns jene Person, die diese Veranstaltung ins Leben rief, der Niederländer Jos F. M. Eijsermans.

Wie entstand die Messe in Valkenburg? Seit wann gibt es diese?

Im Grund genommen, weil es so etwas damals nicht gab. Als Mitglied und später Vorstandsmitglied der International Bank Note Society (IBNS) reiste ich jedes 1. Wochenende im Oktober nach London zum „London Congress“ der IBNS. Die damals größte Veranstaltung für Papiergeldfans. Seit Mitte der 70-er Jahre bereits, Es gab damals keine Billigflieger und auch keinen Tunnel. Also mit Bahn und Fähre ab Venlo über Hoek van Holland nach Harwich (GB) und dann weiter nach London. Anstrengend und nicht immer lustig mit den herbstlichen Stürmen auf hoher See. Da musste etwas auf dem europäischen Festland her!

Im Vorstand der IBNS habe ich dann zur Sprache gebracht, dass ich so etwas machen könnte – was diese stark bezweifelt haben! Schlussendlich habe ich das dann mit ein paar Sammlerkollegen auf die Beine gestellt. Das war 1986. Zu Anfang in Maastricht (daher der Name PaperMoneyFair-Maastricht) Anfangs mit ganzen 24 (!) Tischen. Zu Anfang hatte die Veranstaltung einen anderen und zu langen Namen aber nun heißt sie schon wieder etliche Jahre „PaperMoneyFair-Maastricht“. Umziehen mussten wir auch schon ein paar mal. Bald wieder, denn De Polfermolen soll abgerissen werden – und ein Neubau ist noch immer nicht in Sicht. Nach 2020 soll es dort vorbei sein. Und dann hoffentlich ein neuer Raum da sein.

Die Location der Messe, die Mehrzweckhalle Polfermolen


Wie viele Sammler besuchen die Messen im April bzw. im September? Wie viele Händler stellen jeweils aus? Gibt es Unterschiede zwischen den beiden Messen?

Die Anzahl an Sammlern ist im Laufe der Jahre stark gewachsen. Momentan gehe ich von gut 500 bis 600 Besuchern am Samstag aus und etwas mehr als die Hälfte davon noch mal am Sonntag. Das gilt für April, im September ist es ein bisschen weniger.

Leider gibt es noch immer das Missverständnis, dass diese Börse nur für Händler sein soll. Es sind viele da ja, aber es kommen auch immer mehr Sammler die – im Unterschied zum Kauf über das Internet – sehen und in den Händen halten wollen was sie kaufen.

Aussteller sind es gut 200 im April und etwa 180 im September. Ich hoffe in ein bis zwei Jahren sagen zu können, dass diese Zahlen für April und September identisch sind.

Unterschiede gibt es sonst eigentlich nicht, bis eben auf die noch etwas geringere Tischanzahl im September.


Die Messe Valkenburg wird häufig als größte Banknotenmesse der Welt bezeichnet. Ist das tatsächlich so? Wie verteilen sich die teilnehmenden Händler und Sammler in etwa geographisch? Aus welchem Land kommen die meisten? Wie groß ist in etwa der Anteil der Händler und Sammler aus Übersee? Was sind die exotischsten Länder aus denen Händler teilnehmen?

Es gibt auf der Welt keine größere Veranstaltung ausschließlich für Sammler & Händler von Papiergeld/Geldscheinen und Wertpapieren. Es gibt zwar große Münzbörsen mit einem Anteil an Papiergeld, aber das sind keine Spezialbörsen und keine von diesen hat so viele „Papiergeld-Tische“ wie in Valkenburg. Es wird also wohl wahr sein.

Der Schwerpunkt liegt bei den Ländern in Mitteleuropa: Niederlande und alle direkten Nachbarländer. Etwas weniger die Ländern rund um diesen Bereich. Aber es kommen auch eine größere Anzahl aus den USA und Kanada sowie verteilt über den Rest der Welt. Zum Beispiel aus Neuseeland, Australien, Singapur oder Argentinien. Und viele aus dem arabischen Raum. Eine genaue Auflistung gibt es im Internet auf der Webseite www.papermoney-maastricht.eu.

Richtig exotisch sind die beiden Teilnehmer aus Sri Lanka, La Reunion und Neukaledonien.


Die Messe findet an 3 Tagen von Freitag bis Sonntag statt, wobei die sogenannte „Vorbörse“ am Freitag nur den an der Messe teilnehmenden Händlern selbst offen steht. Erzählen Sie uns mehr über den Hintergrund dieser Teilung.

Kleine Korrektur: Die Vorbörse/Nur-Händler-Börse findet schon ab Dienstag (bis Freitag) statt.
Das ist daraus entstanden, dass immer mehr Händler Tage vorher kamen, um dann unter sich Scheine auszutauschen. Zu verkaufen und anzukaufen also. Die Allerersten sind bereits am Sonntag vor der Messe in Valkenburg. Um das zu koordinieren habe ich die Vorbörse in dieser Form eingeführt. Da machen etwa 80 Händler mit. Obwohl einige erst am Donnerstag kommen.


Die meisten großen Sammlermessen finden in Großstädten wie Berlin, München, Wien oder Amsterdam statt. Was gab den Ausschlag die Messe in Valkenburg, einem eher kleinen historischen Ort nahe Maastricht, zu veranstalten?

Wie schon zu Anfang erklärt entstand diese Börse in Maastricht. Dabei hat der Name der Stadt eine Rolle gespielt wegen Europa und dann später wegen des Euro. Aber auch weil bis zur Wende 1989 Maastricht zentral im damaligen West-Europa lag, im Gegensatz zur heutigen Situation, in der die Länder des ehemaligen „Ostens“ das bis dahin bekannte Europa stark vergrößert haben. (zentrale Lage wäre heute eher den Raum Frankfurt…). Nach Valkenburg (10 Kilometer entfernt) sind wir gezogen, weil in Maastricht damals kein großer Saal vorhanden war.

 

Sie selbst sammeln seit Ihrer Kindheit und schreiben auf Ihrer Webseite, dass Sie als Banknotensammler früher oft als seltsamer Kerl betrachtet wurden. Inwieweit hat sich das Image des Banknotensammlers seitdem verändert?

Da hat sich komischerweise nicht allzu viel verändert. Denn das Banknotensammeln ist noch immer recht unbekannt. Bemerkungen wie „Sammelst du Banknoten? Ich auch, aber nur 1000er!“ höre ich noch immer, nur statt des damals verwendeten 1000 DM-Scheines nun eben mit einem „500er“. Die meisten staunen, wenn Sie hören, dass es so etwas gibt, und dass es doch so viele gibt die es sammeln.

Schnappschuss der angebotenen Banknoten an einem polnischen Stand


Geben Sie uns eine Einschätzung wie sich der Banknotenmarkt und das Preisniveau der gehandelten Geldscheine in den letzten Jahren und Jahrzehnten entwickelt hat. Wie sieht Ihrer Meinung nach die weitere Entwicklung aus?

Das ist schwer zu sagen. Die Preise der besseren Scheine sind in den letzten Jahren stark gestiegen. Andere Segmente meist weniger. Auch die populären Länder wechseln schon mal. Es ist eigentlich unmöglich, da eine Prognose zu formulieren. Eines steht fest: Wenn die Anzahl der Sammler ständig steigt, wonach es derzeit aussieht, so steigen die Preise mit, Nachfrage vs. Angebot.

Stolze Präsentation einer Rarität


Privat sammeln Sie zeitgenössische Banknotenfälschungen und Werbenoten. Erzählen Sie uns mehr über die Faszination dieser beiden Sammelgebiete. Welchen Umfang hat Ihre Sammlung? Nennen Sie uns ein paar Lieblingsstücke.

Ich hatte vorher schon einiges in der Sammlung, aber als ich im Zeitraum 1980 bis 1993 als Kassier in der Zentrale einer großen Bank arbeitete, sah ich regelmäßig Fälschungen „vorbei kommen“. Einige waren sehr gut und ich war beeindruckt, was es so alles gab. Nach dem Motto: „Was der Mensch machen kann, kann er auch nachmachen“

Am meisten beeindrucken mich alten Fälschungen, die per Hand mit Tinte nachgezeichnet wurden. Diese sehe ich eher als Kunstwerke denn als Fälschung.
Ich habe einmal die Fälschungssammlung von Interpol in Lyon gesehen. Die ist grösser, 100%ig, aber meine Sammlung könnte sogar die größte Sammlung in privater Hand sein. Mehrere Alben … Ich sammle intensiv schon seit mehr als 30 Jahren und habe damit angefangen, als sich noch keiner für Fälschungen interessiert hat. In den Anfangsjahren bekam ich die noch geschenkt! Einmal von einem verärgerten amerikanischen Händler, der solche als „echt“ gekauft hatte um dann festzustellen, dass es gut gelungene Fälschungen waren. Er wollte die nicht behalten.
Werbenoten gehören dazu, weil einige Fälschungen sehr nahe kommen. Es wurden schon mehrmals Reklamescheine beschlagnahmt und verboten, weil sie „zu echt“ waren. Vor allem interessieren mich die politischen Flugblätter in Form von Banknoten: 2. Weltkrieg, Korea, Vietnam, Irak …

Eines meiner Lieblingsexemplare ist ein handgezeichneter 50 Mark Schein von 1899, Frau unter der Eiche. Auch eine Anzahl von französischen Kriegsgefangenen hervorragend gezeichneter schottischer 1 Pfund Noten aus der Zeit Napoleons gehören dazu.


Sie engagieren sich auch privat stark für das Papiergeldsammeln und sind in diversen Organisationen tätig. Erzählen Sie uns etwas über diese Tätigkeiten.

Wie vorher schon erwähnt war ich im Vorstand der IBNS. Eine Zeit lang sogar „President“. Das hat mir übrigens beim niederländischen Finanzamt eine Menge Ärger eingebracht. Denn der „President of the International Bank Note Society“ muss doch wohl ein reicher Mann sein mit einer weltweit operierenden Firma, ein multinationales Unternehmen …, jawohl!
Bei Nutzung eines Englisch-Niederländisch-Wörterbuches hätten sie sofort herausgefunden, dass „President“ einfach auch Vorsitzender bedeutet und was die IBNS ist, haben sie auch nicht weiter erforscht. Ich musste bis zum Finanzministerium gehen um das zu klären.

Auch war ich jahrelang Vorsitzender der niederländischen Abteilung der IBNS, die ich vorher ja selber (mit)gegründet habe.


Auf Ihrer Messe stellen Sie kostenlos Standplätze für ehrenamtliche Banknoten-Organisationen wie das Webportal banknotesworld.com zur Verfügung. Warum tun Sie das?

Ganz einfach, ich glaube an die Kraft von gut geführten Vereinen, die Sammler zusammen bringen und halten. Das ist im allgemeinen Interesse aller Sammler sowie auch selbstverständlich der Händler, nicht nur auf dieser Börse sondern allgemein. Ich hatte einmal einen belgischen Verein, der viele Mitglieder im Bus nach Valkenburg zur Messe gebracht hat.


Die Messe in Valkenburg feierte 2016 ihr 30-Jahr-Jubiläum. Können Sie uns ein bisschen aus den Anfangszeiten der Messe erzählen. Gibt es Händler bzw. Sammler, die von Anfang an mit dabei sind? Was hat sich seit damals verändert? Welche Entwicklungen finden Sie gut, welche gefallen Ihnen weniger?

Die Anfangszeiten waren nicht leicht. Die Veranstaltung fing bescheiden an, mit 24 Tischen. Bald dann etwa 40 Tische, später ca. 70 und erst dann fing es an stark zu wachsen. Bis zu den aktuellen etwa 230 Tischen, das brauchte Zeit.

Zu Anfang waren ja noch Grenzkontrollen in Europa. Es hat Jahre gedauert bis sich deutsche Händler nach Maastricht/Valkenburg trauten.

Es gibt noch eine Handvoll Händler und Sammler, die seit der Stunde Null dabei sind. Leider sind im Laufe der Jahre schon viele verstorben, oder haben aus gesundheitlichen Gründen bereits aufgehört („Ich schaffe das nicht mehr“). Passiert jedes Jahr wieder, so auch dieses Jahr.

Was ich feststelle ist, dass es früher mehr Händler gab, die richtig Ahnung hatten von Papiergeld: Hintergrundinformation, Erfahrung usw. Leider muss ich feststellen, dass viele (nicht alle) der neuen Generation eher mehr Händler als Banknotenhändler sind.

Es wird immer mehr Wert gelegt auf „kassenfrisch“, schöne Scheine in weniger als Erhaltung I sind immer weniger gefragt. Über die neueste Entwicklung des „slabben“ und „grading“ sage ich mal besser nichts …


Wagen wir einen Blick in die Zukunft. Was sind Ihre weiteren Pläne mit der Messe Valkenburg?

Ich bin jetzt 62, und die Polfermolen soll es nur noch bis 2020 geben. Das sind ja nur 3 Jahre. Somit bin ich dann ja 65. ABER : Ich habe noch nicht vor damit aufzuhören!

Es sei denn, es gibt keine Alternative. Ob ich dann an einem anderen Ort wieder ganz neu anfange? Ich bin mir da gar nicht so sicher. Hoffentlich bleibt entweder Polfermolen länger zur Verfügung oder wird tatsächlich der neue Saal in Valkenburg bald fertig. Denn auch einen anderen Ort, klein und gemütlich wie Valkenburg mit vielen kleinen Hotels & Restaurants und recht guter Anbindung an Autobahn und Eisenbahn, wo finde ich so etwas nochmal?

Ich traue mich zu sagen, dass diese Börse in Valkenburg einen erheblichen Einfluss auf das Hobby und die ständige wachsende Zahl an Geldscheinsammlern gehabt hat und weiterhin hat.

Linktipp: Webseite von Jos. F.M. Eijsermans zur Messe Valkenburg

Von |2017-08-10T09:14:33+00:0030. März 2017|Kategorien: Interview, Veranstaltung|Tags: , , |2 Kommentare

2 Comments

  1. Franz Fischer 15. April 2017 um 14:42 Uhr

    Das Interview hat mir sehr gefallen und mein Interesse richtig geweckt um nach Valkenburg zur Banknotenmesse zu kommen.
    Ich bin (72) Motivesammler, „Turtles“ Schildkröten auf Banknoten und Münzen mit allen Varianten. Nach dem Briefmarkensammeln habe ich entdeckt, dass die Banknoten eine viel bessere Druckqualität haben, Sicherheitmerkmale etc. Ich habe sogar einen eigenen Motivkatalog erstellt, der noch nicht ganz fertig (95%, ca.200 Seiten)ist. In diese Richtung brauche ich auch eine Beratung.
    Ich wohne bei Frankfurt/aM in Bad Soden. Die Frage, wie komme ich nach Valkenburg? Mit dem Zug ist es umständlich und lang. Es wäre gut eine Fahrgemeinschaft? Vielleicht haben im Raum Frankfurt, Taunus Sammler das gleiche Interesse?
    Mit freunlichen Grüßen
    F.F.

  2. Johann Kodnar 15. April 2017 um 16:40 Uhr

    Ich darf diesbezüglich auf unseren Link zum Banknotesworld-Geldscheinforum hinweisen: http://www.geldschein.at/informationen-fuer-sammler/forum.html
    Banknotesworld ist das größte deutschsprachige Forum zum Thema Papiergeld. Viele der Sammler im Forum fahren zur Messe nach Valkenburg und es werden im Forum auch immer wieder Mitfahrgelegenheiten angeboten.

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