„Kraft
und Arbeit" war das Motto der Stunde! Die Bevölkerung,
allen voran die Arbeiterschaft, war willens, dem jungen
Staat auf die Beine zu helfen, sich und der Familie
ein lebenswertes Dasein zu schaffen. Nicht zufällig
wurden zu dieser Zeit Hammer und Sichel zum Symbol
für ein besseres Leben.
Mit
Hacke und Pflug,
Mit Schlegel und Hammer
Bekämpfen wir rastlos
Kriegsnot und Jammer
schrieb Göstling an der Ybbs
auf seinen 50-Heller-Schein, und wenngleich es zunächst
anders kommen sollte, war man doch guten Mutes.
Mit dem Slogan
Durch
Arbeit zur Wohlfahrt
forderte auch Traisen die Bevölkerung
auf, die Lethargie abzuschütteln, die sich aufgrund
der jüngsten Ereignisse breiter Kreise bemächtigt
hatte. Es waren dies Aufrufe aus dem Volk, von Leuten,
die zufällig mit der Herausgabe des Notgeldes
ihrer Gemeinde befaßt waren, und keine vom Staat
ausgegebenen Parolen. Zum Staat und seinen Organen
hatte man noch kein rechtes Vertrauen, die alte Ordnung
war zerstört, eine neue noch nicht gefunden.

Gemeinde Sonntagberg, 10 Heller (Böhlerwerke
– Bruckbacherhütte)
Dieses Mißtrauen spiegelt die Aufschrift auf
dem 99-Heller-Schein der Gemeinde Sittendorf (im Wienerwald
oder bei Langenlois?) wider:
Zu
diesem Schein leg' einen Heller dazu,
Du hast die Krone, der Staat seine Ruh'!
Positiver
sah es die Gemeinde Sonntagberg. Sie rief auf der
Rückseite ihres 10-Heller-Scheines eine alte
Volksweisheit in Erinnerung:
Was
sich soll klären,
Das muß erst gären.
So
setzten vor allem die alten Industriegemeinden des
Ybbs-, Erlauf- und Traisentales all ihre Hoffnungen
auf das moderne Hüttenwesen. Vor allem der Markt
Ybbsitz (20 Heller) gab sich zuversichtlich und selbstbewußt.
Ihm gelang der Übergang von der traditionellen
Kleineisenindustrie zu zeitgemäßen Produktionsformen
in der Tat auch sehr gut.
Eine besonders malerische Ansicht der Böhlerwerke
zeigt ein Schein (30 Heller) der Landgemeinde Waidhofen
an der Ybbs, dessen Rückseite folgendermaßen
auf den tristen Geldwert Bezug nimmt:
Bedenk'
o Christ, Jud oder Heid
Du näherst dich stets der Ewigkeit.
Willst du vorher noch die Schulden begleichen,
So kannst du das nur mit Papiergeld erreichen.

Rückseite
des 20-Heller-Scheines der Marktgemeinde Ybbsitz mit
dem Wappen der Ybbsitzer Zeugschmiede

Landgemeinde
Waidhofen an der Ybbs, 30 Heller / Marktgemeinde St.
Aegyd am Neuwald, 10 Heller
Gewiß
zeichneten für derlei Bild-Spruch-Kombinationen
weder Werbemanager noch Psychologen verantwortlich.
Die Absicht ist dennoch deutlich erkennbar, nämlich
den Menschen den Eindruck zu vermitteln, einen sicheren
Arbeitsplatz zu haben, und zweifellos ließen
sich mit einem Schuß Ironie und Humor auch die
trotz allem zur Schau getragenen Optimus dennoch ernsten
Zweifel und Sorgen leichter ertragen.
Die Eisenindustrie bildete auch die wirtschaftliche
Grundlage für St. Ägyd am Neuwald - der
10-Heller-Schein zeigt den alten Niststahlofen -,
und auch auf dem 50-Heller-Schein der Stadt St. Pölten
(3. Auflage) rauchen die Fabriksschlote.
Nur wenige Hinweise auf Industriebetriebe kommen aus
dem Viertel unter dem Wienerwald. Lediglich der 20-Heller-Schein
von Enzesfeld hält die Munitionsfabrik und die
Metallwerke dieses Ortes im Bilde fest, doch doppelt
interessant, weil heute nur mehr Teile der Ansicht
von 1920 erhalten sind.
Selbstverständlich gab es auch andere wesentliche
Industriezweige, die aber auf den Notgeldscheinen
nur in geringem Maße ins Bild kamen. Als Symbol
des Ortes Kematen prangte die 33 Meter hohe Steinbrücke
auf den Hellerscheinen, in deren Pfeilerbogen die
Papierfabrik zu sehen ist, Groß-Siegharts' Notgeld
trägt die Aufschrift „Bandlkramerlandl"
und zeigt einen Weber am Webstuhl.

Gemeinde Enzesfeld, 20 Heller
Marktgemeinde Groß-Siegharts, 10 Heller

Privatausgabe der Präzisions-Bolzen-G.m.b.H
Melk, 80 Heller
Die Präzisions-Bolzen-G.m.b.H. Melk wiederum
stellt sich in ihrer Privatausgabe selbst vor; auf
der Rückseite der Scheine gaben die Gesellschafter,
die für die Einlösung hafteten, Parolen
zur Hebung der Arbeitsmoral aus, zum Beispiel diese:
„Nur konzentrierte größte Leistung
und Bewältigung eines genau umrissenen hohen
täglichen Pensums in kurzer Arbeitszeit, kann
die menschliche Gesellschaft aus dem Zustande der
Armut herausführen." Unterschrift: Ing.
Franz Walenta.