Welche Sammelgebiete gibt es?

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Welche Sammelgebiete gibt es?2017-04-16T18:00:57+00:00

Zuerst einmal vorneweg: Sämtliche österreichische Banknoten zu sammeln ist ein praktisch aussichtsloses Unterfangen. Selbst wenn man das Geld hätte die sehr große Anzahl an verschiedenen Scheinen zu kaufen, dann scheiterte es wahrscheinlich an der Verfügbarkeit der Noten, da eine Reihe von Noten oft jahrelang nicht im Handel vorkommen. Aus diesem Grund beschränken sich viele Sammler darauf Geldscheine aus einem Teilgebiet der österreichischen Banknotengeschichte zu sammeln. So eine Spezialisierung hat den Vorteil, dass die Chance besteht eine relativ vollständige Sammlung anzulegen, anstatt von jedem Bereich ein bisschen, aber von keinem eine richtig schöne Sammlung zu haben. Im Anschluss Beispiele für Sammelgebiete, auf die man sich spezialisieren kann.

II. Republik (ab 1945)

Unsere allseits beliebten Schillingnoten zurück bis in die Geburtsstunde des modernen Schillings. Hier spielt vor allem die persönliche Verbundenheit mit der Schilling Währung, mit der viele Leute aufgewachsen sind und persönliche Erinnerungen verbinden, eine große Rolle. Die Schilling Banknoten sind zudem optisch sehr reizvoll gestaltet und bis auf wenige Ausnahmen zu erschwinglichen Preisen zu bekommen. Die große Ausnahme bildet hier der sogenannte „weiße Kaplan Tausender“ – eine Banknote, die schon kurze Zeit nach Ihrer Ausgabe wieder eingezogen wurde und deswegen heute extrem selten und teuer ist. Trotzdem ist das Sammelgebiet II. Republik jenes österreichische Untergebiet, das noch am leichtesten zu vervollständigen ist.

Schilling Banknoten gab es allerdings auch schon vor 1945. Die sogenannten Altschillinge waren ab 1925 im Umlauf und wurden von den Reichs- und Rentenmark abgelöst, die zur Zeit Österreichs im III. Reich Währung auf österreichischem Gebiet waren. Diese Altschilling Banknoten werden von einigen II. Republik Sammlern genauso wie die Alliierten Militärschillinge (interne Währung der österreichischen Besatzungsmächte, die jedoch auch unter dem Volk Verbreitung fand) in ihre Sammlung eingeschlossen.

Kronen (1900-1924)

Ein sehr variantenreiches Sammelgebiet, das von vielen Österreich Sammlern oft ein wenig links liegen gelassen wird. Zahlreiche Scheine existieren in auf dem ersten Blick immer wieder identischer Art und Weise, nur bei genauem Hinblicken entdeckt man die kleinen Unterschiede, wie zB. verschiedene Stempelaufdrucke, Wasserzeichen oder unterschiedliches Papier.

Eine Herausforderung für Sammler mit Forschungsdrang ist eine Sammlung der unterschiedlichen Kronen Stempelvarianten. Im Zuge der Auflösung der Monarchie wurden die ehemals in den Ländern der Monarchie kursierenden Kronen Banknoten mit nationalen und territorialen Stempeln versehen (siehe Banknotengeschichte: Die Währungstrennung). Einige dieser Aufdrucke sind zwar mittlerweile in Spezialkatalogen dokumentiert, allerdings ist die aktuelle Dokumentation bei weitem noch nicht vollständig und zu den Hunderten bisher schon bekannten Stempelvarianten tauchen immer wieder neue auf. Ein Sammelgebiet für Forscher und Entdecker!

In die Zeit von 1900-1924 fallen auch die sogenannten Donaustaatnoten: Dabei handelt es sich um Banknoten, die für einen geplanten aber nie realisierten Donaustaat gedruckt wurden. Da es nie zu diesem Donaustaat kam sondern Österreich nach 1918 als autonomer Staat weiterexistierte kamen diese Banknoten nie in den Zahlungsverkehr. Allerdings wurden sie später, mit einem Aufdruck versehen, als Klassenlotterielose verwendet. Heute existieren sowohl noch die unbedruckten Scheine, als auch die bedruckten Klassenlotterielose. Beide Varianten sind in vielen Österreich-Sammlungen zu finden.

Gulen (1762-1900)

Zwei Infos vorneweg: Es ist so gut wie aussichtslos dieses Sammelgebiet jemals zu vervollständigen. Und als allzu pingeliger „Bankfrisch-Sammler“ wird man an diesem Sammelgebiet keine Freude haben. Warum dem so ist? Die Gulden und Kreuzer Noten sind die ältesten österreichischen Banknoten und schon allein deswegen ist nur mehr eine begrenzte Anzahl davon erhalten.

Dazu kommt, dass vor allem die größeren Guldenwerte zur damaligen Zeit einen enormen Wert darstellten, und daher wurde nur eine sehr kleine Anzahl davon zu Sammlerzwecken beiseite gelegt und ist somit der Nachwelt erhalten geblieben. Eine Ausnahme bilden hier die Inflationsausgaben von 1800 und 1806, die noch etwas leichter zu bekommen sind – allerdings nimmt auch hier die Anzahl der verfügbaren Noten stetig ab. Und selbst bei den Inflationsgulden sind über die 10 Gulden Nominale hinausgehende Werte nur mehr mit größerem Geldeinsatz zu bekommen – bei den anderen Jahrgängen wird es nach oben hin noch schwieriger und teurer.

In punkto Erhaltung muss man bei diesem Sammelgebiet gewisse Kompromisse eingehen. Eine Guldensammlung in bankfrisch wird über 10 Banknoten wohl nie hinauskommen, da Guldennoten einfach nur in Ausnahmefällen in bankfrisch gehandelt werden. Eine nicht zerrissene, saubere und mit noch knackigem Papier ausgestattete Note ist im Guldenbereich ein absolutes Spitzenstück!

In punkto Design zeichnen sich die Guldennoten fast ausnahmslos durch ihre Dekorativität aus. Abgebildet sind zumeist Götterfiguren und Idealköpfe und Nacktportraits. Die Nacktheit wurde hier als Mittel der Fälschungssicherheit genutzt: Die nackten Darstellungen galten als besonders einprägsam und auf diese Weise sollte dem „einfachen Mann“ jede Abweichung an der Banknote sofort auffallen.

Bei allen bisher genannten Sammelgebieten handelt es sich um Banknoten im eigentlichen Sinne des Wortes: Geldscheine, die von einer dazu ermächtigten Bank im Auftrag des Staates Österreich ausgegeben wurden. Daneben existierten jedoch auch einige andere Arten von Papiergeld, die in Österreich zur Zahlung benutzt wurden:

Notgeld

Die preiswerteste Möglichkeit österreichisches Papiergeld zu sammeln. Vieles Notgeldscheine werden zum Stückpreis gehandelt und sind nicht sehr teuer (ab ca. 20 Cent pro Stück). Allerdings existieren auch einige seltenere Stücke, vor allem jene, die nicht von Gemeinden, sondern von privaten Stellen (zB. von Kaufleuten) ausgegeben wurden und Sonderscheine, die in sehr kleiner Auflage ausgegeben wurden. Es existieren verschiedene Perioden, in denen in Österreich Notgeld ausgegeben wurde. Mehr Informationen dazu finden Sie auf den Notgeldseiten.

Eine vollständige Notgeldsammlung anzulegen ist trotz der eher niedrigen Preise schwierig : Es existieren nämlich zigtausend verschiedene Stück davon!

Lagergeld

Darunter versteht man Geld, dass in Kriegsgefangenen-, Flüchtlings-, Internierten- und Konzentrationslagern ausgegeben wurde. Das Geld wurde an die an den Lagern Gefangenen als Tageslohn ausgegeben. Man verwendete separates Geld dafür um eine Flucht der Gefangenen zu erschweren (denn mit dem Lagergeld konnte man in der Regel außerhalb des Lagers nichts kaufen – in der Praxis gab es hier jedoch Ausnahmen). Der Großteil des österreichischen Lagergeldes stammt aus der Zeit des 1. Weltkrieges, während des 2. Weltkrieges wurden nur wenig Lagergeld ausgegeben.

Musterscheine

Weltweit zunehmend populärer wird das Sammeln von Musterscheinen. Darunter versteht man Banknoten, die mit einem Musteraufdruck bzw. einer Muster-Perforierung versehen sind. Der ursprüngliche Zweck dieser Noten war es die Banken mit den jeweils neuesten Banknotenausgaben vertraut zu machen und damit das Fälschungsrisiko zu verringern. Dazu wurden Musternoten an Banken in aller Welt verschickt. Musternoten haben im eigentlichen Sinne keinen Geldwert, durch die Entwertung konnte man sich nichts damit kaufen. Allerdings wurden zumeist nur sehr wenige Stück davon ausgegeben und daher sind österreichische Musterscheine heute ziemlich selten. Zum einen Teil werden diese Noten als besondere Variante eines Scheines in Sammlungen inkludiert, zum anderen Teil gibt es auch Sammler, die sich ganz auf das Sammeln von Musternoten spezialisieren.

Das Prinzip Muster von Banknoten an die Banken zu verschicken existierte bereits zur Zeit der Gulden. Allerdings nannte man diese Noten früher nicht Musterscheine sondern Formulare. Diese sind im Unterschied zu den Originalnoten nicht mit Kennummer und Unterschrift versehen, oft befindet sich zusätzlich auch noch der Aufdruck Formular darauf.