Vom Schilling zum Euro- Euro-Einführung in Österreich

Als Österreich 1995 der Europäischen Union beitrat, stellte es damit zugleich auch die Weichen für die Euro-Einführung. Dem österreichischen Volk nicht bewusst – akzeptierte man mit dem Beitritt zur EU auch die Vereinbarungen zur Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion, die 1992 im Vertrag von Maastricht getroffen wurden und die Schaffung einer gemeinsamen Währung in der EU vorsahen.

Den österreichischen Bürgern war im Europawahlkampf 1994 noch seitens der Politik versichert worden, dass der beim Volk populäre Schilling auch nach dem EU-Beitritt erhalten bliebe. Später wurde die Argumentation umgedreht: Die Österreicher hätten mit ihrer Zustimmung zum EU-Beitritt die Einführung des Euros bereits akzeptiert und müssten daher nicht mehr befragt werden.

Bereits 1999 wurde der Euro als Rechenwährung eingeführt. Das bedeutete eine Nutzung des Euro für Finanzgeschäfte auf den Währungsmärkten. Auf das alltägliche Leben hatte es jedoch keinen Einfluss und wurde von den Bürgern auch quasi nicht wahrgenommen. Der Wechselkurs Schilling zu Euro betrug 13,7603 Schilling = 1 Euro.

Österreich hatte in der Planungsphase der Euro-Einführung noch versucht einen 2 Euro Schein durchzusetzen. Damit wollte man dem Volk einen Ersatz für den gewohnten 20 Schilling Schein bieten. Man scheiterte jedoch an mangelnder Unterstützung der anderen EU-Länder.

Die eigentliche Einführung – mit der Ausgabe von Euro Banknoten und Münzen – erfolgte erst mit 1. Jänner 2002. Bereits 3 Monate zuvor hatte man in Österreich damit begonnen die Preise doppelt – in Schilling und in Euro – auszuzeichnen. Diese Maßnahme war per Gesetz vorgeschrieben.

Ab Ausgabe der Euro-Banknoten mit 1 Jänner 2002 galt eine 2monatige Doppelwährungsphase in der man noch sowohl mit den alten Schilling Noten als auch mit den neuen Euro Banknoten bezahlen konnte. Um den Umstieg auf den Euro zu beschleunigen, wurden (auch bei der Bezahlung mit Schilling) ausschließlich Euro als Wechselgeld retourniert.

Um die Bürger mit der neuen Währung vertraut zu machen wurden bereits im September 2001 Euro Münzen und Banknoten an Banken und Unternehmen verteilt. Außerdem gab es für jedermann die Möglichkeit, die neue Währung in Bankfilialen in Augenschein zu nehmen. In Infokampagnen stellte man zudem die Sicherheitsmerkmale der neuen Währung vor. Ab Mitte Dezember konnten auch die österreichischen Bürger Euro-Startersets erwerben.

Vor der Einführung des Euro herrschte bei vielen Bürgern Angst vor Preissteigerungen. Um dieser Angst entgegenzuwirken wurde von der Regierung die sogenannte „Euro-Preis-Kommission“ – bestehend aus Vertretern der Sozialpartner – zur Überwachung von „nicht gerechtfertigten Preiserhöhungen“ eingesetzt. Bei Zuwiderhandeln drohte einerseits eine Öffentlichmachung der zuwiderhandelnden Firma und andererseits Bußgelder.
Trotzdem klagten viele Bürger nach Einführung der Euro-Währung über stark steigende Preise. Diese konnten jedoch objektiv nicht nachvollzogen werden – die diversen Verbraucherpreisindikatoren zeigten nur mäßig steigende Preise. Von offizieller Seite bestätigt wurden ausschließlich beachtliche Preissteigerungen in der Gastronomie und einigen Dienstleistungsbereichen. Hier hatte man die Euro-Einführung vereinzelt zur „Aufrundung“ von Preisen genutzt.

Die Schilling Banknoten und Münzen der zuletzt gültigen Serie können bei der Österreichischen Nationalbank weiterhin unbefristet gegen Euro umgetauscht werden. Vormalige Banknoten der anderen Euro-Länder werden in Österreich nicht mehr eingetauscht.